Motivations{ab}schub für Stellenbewerber

von Liz Collet

Stellenbewerber verstehen ja immer alles ganz falsch.

Und fühlen sich wegen endloser Zahlen von Gründe (manche sogar multipel) diskriminiert.

Und füllen dann Akten. Und Richtertische, um dagegen vorzugehen.

Überempfindlich, alles als diskriminierend zu empfinden, was doch üüüüberhaupt nicht so, sondern fürsorglich gemeint war.

Selbst bei Schwangerschaften kann ein Arbeitgeber ja nur noch alles falsch machen. (Seufzen Arbeitgeber gelegentlich, während sie es eigentlich nur gut meinten). Wir erinnern uns an die Sache mit dem Sony-Baby. Und eine Reihe anderer ganz fürsorglicher und gut gemeinter Personalauswahl- und Bewerbungsentscheidungen, die seither hier und in anderen Blogs und Medien und von Gerichten berichtet wurden.

Gestern erzählte mir ein Stellenbewerber von einem Gespräch, das er nach einer Bewerbung geführt hatte. Er ist 52 Jahre alt. Und eigentlich passte die Qualifikation und das Übrige, insbesondere auch alles, was an Umfang, Inhalt und zeitlicher (also auch Jahren an Erfahrung) und auch Auslandserfahrung als erforderlich inseriert worden war, für die Stelle. Hätte man denken können. Hatte er auch gedacht. Aber das denken alle Bewerber ja bekanntlich und Arbeitgeber denken eben oft nicht so. Und so verabschiedete man sich nach dem Gespräch mit einem – gaaaaaanz sicher, oder? – nur als Motivationsschub gemeintem freundlichem Satz:

“Aber Sie finden ja sicher auch noch in Ihrem Alter bestimmt etwas anderes…..woanders, halt.”

Nur Überempfindliche verstehen das wie das Stoßgebet nach dem Sankt-Florians-Prinzip”:

“Sankt Florian, verschon’ mein Haus, zünd’ andre an!”

Man hatte – wie er ein paar Tage danach erfahren hatte – einen Berufsanfänger eingestellt. Nein, das hatte natürlich nichts mit seinem Alter zu tun, sagte er. Das sei doch ohne jeden Zweifel nur als Motivationsschub gemeint gewesen ...

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