Freigesprochen, aber moralisch verurteilt?

von Carl Christian Müller

Im Kern eines Strafverfahrens steht die Frage, ob der Angeklagte die ihm vorgeworfene(n) Tat(en) begangen hat. Hierüber hat das Gericht zu befinden.

Wird der Angeklagte schließlich freigesprochen, so ist gelegentlich die Rede von einem “Freispruch zweiter Klasse”. Hinter diesem Begriff, den das Gesetz nicht kennt, soll sich ein Freispruch verbergen, welcher nicht darauf beruht, daß die Unschuld des Angeklagten bewiesen worden ist. Vielmehr soll es sich “nur” um einen Freispruch aus Mangel an Beweisen handeln.

In dem Beitrag “Freispruch als “Warnschuß” hatte ich bereits darauf verwiesen, daß sich aus meiner Sicht umfassende Ausführungen des Gerichts dazu, daß es sich gewissermaßen um einen eingeschränkten Freispruch handelt, verbieten sollten. Selbstverständlich darf und soll ein Gericht zwar begründen, daß die Tat dem Angeklagten nicht nachgewiesen werden konnte. Lange Ausführungen dazu, daß die Tatbegehung indes durchaus möglich ist, sind indes bedenklich, können sie doch gerade bei einem von der Öffentlichkeit begleiteten Verfahren die Folge haben, daß “etwas hängen bleibt”, dem freigesprochenen Angeklagten also in den Augen der Öffentlichkeit weiterhin ein Makel anhaftet ...

Zum vollständigen Artikel


Cookies helfen bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Cookie-Setzung einverstanden. Mehr OK