Vaterschaftsanfechtung nur bis zum 2. Lebensjahr des Kindes? Hat “RTL” neue gesetzlichen Fristen erfunden?

von Klaus Wille

Grundsätzlich ist es gut, wenn sich Fernsehsendungen auch um rechtliche Fragen kümmern. Dann müssen die Beiträge auch die richtigen rechtlichen Begründungen erhalten. Dies ist nicht immer so:

1. Sachverhalt
In einem Beitrag für die Sendung “Explosiv” (RTL) vom 21.03.2014 berichtet die Sendung, über einen rechtlichen Vater, der nicht der biologische Vater eines Kindes ist. Dies ist möglich, wenn ein Kind während der Ehe geboren ist. Dann ist der Ehemann der Vater (vor dem Gesetz), d.h. er ist der rechtliche Vater; egal ob er das Kind gezeugt hat. Hat er das Kind nicht gezeugt, dann muss er die Vaterschaft anfechten. So auch in diesem Verfahren.

Der rechtliche Vater hatte versucht die Vaterschaft anzufechten. Der rechtliche Vater verlor die Klage, weil der die Anfechtungsfrist versäumt hatte. Hier schreibt Explosiv (Stand: 28.03.2014):

“Denn ein Mann darf die Vaterschaft nur binnen der ersten beiden Lebensjahre eines Kindes anfechten. Maiks Kind war aber bereits drei Jahre alt, als er erfuhr, dass es nicht sein eigenes ist.”

Leider ist dies falsch.

2. Rechtliche Würdigung

Die Frist zur Anfechtung einer Vaterschaft hängt grundsätzlich nicht von dem Alter ab, sondern davon, wann der betreffende “Vater” von den Umständen erfährt, die gegen die Vaterschaft sprechen, aber nicht vor der Geburt des Kindes.

Wörtlich heißt es dazu in §1600b Abs. 1 BGB:

“Die Vaterschaft kann binnen zwei Jahren gerichtlich angefochten werden. Die Frist beginnt mit dem Zeitpunkt, in dem der Berechtigte von den Umständen erfährt, die gegen die Vaterschaft sprechen; das Vorliegen einer sozial-familiären Beziehung im Sinne des § 1600 Abs ...

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