Ist es Kunst oder kann das weg?

von Helene Klassen-Rock

Für ein ungeübtes Auge lässt sich diese Frage häufig nur schwer beantworten. So sind auch Werke von Joseph Beuys wiederholt übereifrigen Reinigungskräften zum Opfer gefallen. In den meisten Fällen einigten sich die Parteien. In einem vergleichbaren Fall hatte nunmehr das Landgericht Heilbronn zu entscheiden.

Der von unserer Kanzlei vertretene Künstler hat eine Bodeninstallation angefertigt und in einer Kirche ausgestellt. Bei der Bodeninstallation handelte es sich um 64 quadratische Platten in schwarz und weiß, auf denen ein Gedicht des Künstlers angebracht war. Das Kunstwerk war mittels doppelseitigen Klebebands am Kirchenboden befestigt. Es war Teil einer 6-wöchigen Ausstellung im benachbarten Schloss.

Als der Künstler zwei Monate nach Ausstellungbeginn seine Arbeit abholen wollte, hat er diese allerdings nicht mehr vorgefunden. Wie sich herausstellte, hat der übereifrige Meßner der Kirche die Arbeit zwischenzeitlich mit Hilfe von Lösungsmittel und Spachtel entfernt und entsorgt. Sowohl die Kirche als auch deren Versicherung waren uneinsichtig und weigerten sich, den vom Künstler auf € 5.000 bezifferten Schaden zu ersetzen. Auch auf die Klage des Künstlers zeigten die Kirche und der Meßner wenig Verständnis. So wurde u.a. fälschlicherweise vorgetragen, dass der Künstler nie beabsichtigt habe, die Arbeit nochmals zu verwenden. Dies sei auch nicht möglich gewesen, da das Kunstwerk nicht beschädigungsfrei hätte vom Boden gelöst werden können. Im Übrigen sei dem Künstler kein Schaden entstanden, schließlich könne er die Arbeit jederzeit wiederherstellen.

Entscheidung des Gerichts

Nach dem das Gericht zunächst ein Sachverständigengutachten über die Ablösbarkeit des Werkes und ein weiteres über dessen Wert eingeholt hat, entschied es schließlich mit Urteil vom 13.03 ...

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