Die diplomierte Trainerin ohne Hochschuldiplom

Die Verwendung des Begriffs “diplomiert” in einem Zusammenhang, in dem der angesprochene Verkehr an sich mit der Verwendung des Begriffs “Diplom” oder abgekürzt “Dipl.” rechnet, weist je nach den Umständen nicht auf das Vorliegen einer solchen Qualifikation, sondern im Gegenteil eher auf deren Fehlen hin.

Die Beurteilung, ob eine Werbung irreführend ist, richtet sich maßgeblich danach, in welchem Sinne der angesprochene Verkehr diese Werbung aufgrund ihres Gesamteindrucks versteht1. Vorliegend – es ging um die zulässige Führung der Berufsbezeichnung “Diplomierte Legasthenie- und Dyskalkulie-Trainerin” – richtet sich das Angebot außer an Erzieher, Sozialassistenten, Sozialpädagogen, Heilerziehungspfleger, Grundschullehrer und Leiter pädagogischer Einrichtungen allgemein an pädagogisch interessierte Menschen und damit auch an Eltern, die sich im Rahmen der Erziehung ihrer Kinder womöglich pädagogisch fortbilden möchten, wobei die potentiellen Kunden die Internetpräsenz der Beklagten gezielt und mit der nötigen Aufmerksamkeit aufrufen würden.

Das Oberlandesgericht Oldenburg hat in der Vorinstanz den Begriff “diplomiert” als adjektivische Form des Begriffs “Diplom” und abgekürzt “Dipl.” als mit diesem soweit in Kombination mit einer nachfolgenden Berufsbezeichnung verwendet gleichwertig angesehen und daher gemeint, jener Begriff weise ebenso wie dieser darauf hin, dass die Person, die diese Berufsbezeichnung führe, über eine entsprechende, durch eine akademische Hochschulausbildung erworbene Qualifikation verfüge2. Das Oberlandesgericht hat dabei jedoch unberücksichtigt gelassen, dass die adjektivische Form “diplomiert” jedenfalls in Deutschland schon grundsätzlich, zumal aber zur Bezeichnung dafür ungebräuchlich ist, dass eine Person den akademischen Grad “Diplom” zu führen berechtigt ist ...

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