“Mit Ihnen rede ich nicht mehr. Jedenfalls nicht über das Verfahren!”

„Ach, Herr Pohlen, es ist ein Elend, aber eigentlich kann ich mit Ihnen über den Fall gar nicht außerhalb der Hauptverhandlung sprechen“, beschied mich Staatsanwältin Reißaus in der vergangenen Woche, als ich telefonisch bei ihr anfragte, ob wir ein paar Worte über ein in diesen Tagen anstehendes etwas delikates Strafverfahren wechseln könnten. „Wir haben so strenge Protokollierungspflichten, dass das keinen Sinn mehr macht. Sie fänden es sicher auch nicht gut, wenn Sie jedes Wort auf die Goldwaage legen müssten, weil alles schriftlich fixiert werden muss. Ich finde das zum Kotzen!“ Und dann fügte sie noch hinzu, dass das nichts mit mir zu tun hätte, wir würden uns ja seit über 20 Jahren kennen und hätten nie Probleme miteinander gehabt. Aber jetzt seien Gespräche über anhängige Verfahren außerhalb formalisierter Verfahren de facto tabu. Zwingende Vorschriften.

Zwei Wochen vorher: In einem schon seit längerem anhängigen Strafverfahren hatte schon einmal während einer Sitzungspause ein Meinungsaustausch mit Oberstaatsanwalt Redegern stattgefunden, bei dem wir uns, was die Beweislage und die rechtliche Einordnung des angeklagten Tatgeschehens anbetrifft, näher gekommen waren. Jetzt war wieder Sitzungspause und ich schlug dem erfahrenen Strafverfolger vor, doch bei einem Kaffee in der Gerichtskantine noch einmal ein Gespräch zu führen. „Ich trinke gerne einen Kaffee mit Ihnen“, wurde ich beschieden, „und wir können über Alles unterhalten, aber nicht über den Fall“. Peng! Ich war verwundert, dass sah mir Redegern wohl an ...

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