Rechtspsychologie: Unbewusste Einflüsse im Gerichtssaal?

von Mirko Laudon

Richter unterliegen im Gerichtssaal unterschiedlichen psychologischen ­Einflüssen – aber lassen sie sich davon auch in ihrem Urteil leiten? Empirische Studien legen dies nahe: ­Richter berücksichtigen bei ihrer Urteilsfindung keineswegs nur objektive Fakten, sondern richten etwa das Strafmaß an irrelevanten Zahlen aus. Die Psychologen Birte Englich und Thomas Mussweiler von der Universität zu Köln legten in mehreren Studien Richtern, Staatsanwälten und Rechts­referendaren fiktive Informationen vor, die ihnen auch bei einer Gerichtsverhandlung üblicherweise zur Verfügung stehen: eine kurze Beschreibung des Vorfalls und beteiligter Personen, rechtsmedizinische und psychologische Gutachten sowie Aussagen des mutmaßlichen Opfers, des Täters und der Zeugen. Die Urteile der Teilnehmer schwankten hinsichtlich des Strafmaßes zwischen sieben Monaten auf Bewährung und drei Jahren Freiheitsstrafe ohne Bewährung – obwohl allen stets derselbe Fall vorlag (folgend in Kurzform):

Peter und Sabine lernten sich auf einer Party kennen. Sie flirteten heftig miteinander, und schließlich bot er ihr an, sie mit dem Auto nach Hause zu bringen. Als sie einwilligte, fuhr er jedoch in den Wald und bedrängte sie dort. Obwohl sie sich gegen seine Annäherungsversuche wehrte, kam es zum Geschlechtsverkehr ...

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