Ich glaube noch lange nicht alles

Da der liebe Mandant – nennen wir ihn Herr Watschen – keinen Besprechungstermin wahrgenommen hatte, konfrontiere ich ihn erst kurz vor der Verhandlung auf dem Gerichtsflur mit der recht dünnen Ermittlungsakte, in der nur kursorisch auf einer DIN A 4 Seite die beiden belastenden Zeugenaussagen von der Polizei vor Ort protokolliert worden sind.

Danach soll Herr Watschen eine ältere Dame in der Sparkasse bedroht und beleidigt haben. Eine Sparkassenangestellte soll dieser Kundin verbal beigestanden und dafür dann vor der Sparkasse beim Aufschließen ihres Fahrrades von dem Angeklagten eine saftige Ohrfeige bekommen haben.

Diesen Sachverhalt referiere ich dem erstaunten Watschen, der so lautstark und vehement bestreitet, dass sich das Publikum auf dem Gerichtsflur zu uns umdreht und ein aufmerksamer Justizbeamter mit gerunzelter Stirn den Kopf um die Ecke steckt, um nach dem Rechten zu sehen. Ich winke ihm zu. Alles in Ordnung. Er streckt seinen Daumen hoch und fährt mit seinem Aktenwägelchen beruhigt davon. Jetzt mischt sich auch noch die Verlobte von Herrn Watschen ein und sagt:

„Ich war dabei. Mein Verlobter hat lediglich eine ältere Dame, die den notwendigen Diskretionsabstand in der Schlange vor der Kasse nicht eingehalten hat, gebeten, einen Schritt zurückzutreten. Dann kam diese asoziale Furie und hat meinen Mann als Penner und Zuhälter beschimpft. Mein Mann hat irgendetwas erwidert, und wenige Minuten später haben wir die Bank verlassen. Draußen wartete diese Furie und hat weiter auf Herrn Watschen eingeschimpft, der dann einen Schritt auf sie zugegangen ist. Plötzlich hat sie ihm mitten ins Gesicht gespuckt. Watschen hat sie daraufhin am Arm angefasst und gesagt, sie könne froh sein, eine Frau zu sein. Dann sind wir gegangen ...

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