Das Rachemotiv aus nichtigem Anlass

von Mirko Laudon

Immer wieder haben sich Staatsanwaltschaft, Gericht und Strafverteidigung mit der Frage nach einem Tatmotiv auseinanderzusetzen, dem in „Aussage gegen Aussage“-Konstellationen eine entscheidende Bedeutung zukommt. Dabei ist abzuwägen zwischen einem möglichen Motiv des Täters und dem Falschbelastungsmotiv eines oder mehrerer Zeugen. Allzu häufig entscheidet sich das Gericht gegen ein Glaubwürdigkeitsgutachten1, in dem u.a. solche möglichen Falschbelastungsmotivationen aussagepsychologisch untersucht werden würden. Vielmehr traut sich das Gericht eine „eigene“ Sachkunde zur Beurteilung der individuellen Glaubwürdigkeit eines Zeugen oder einer Zeugin zu. Im Urteil setzt sich das Gericht häufig laienhaft mit einem Falschbelastungsmotiv auseinander, etwa mit der Begründung, ein Mädchen dieses Alters könne eine derartige Falschbeschuldigung2 nicht erfinden – vor allem nicht aus einem solch nichtigen Anlass wie Zurückweisung, nicht erwiderte Liebe, schlechte Benotung usw.

Rache ohne Grund? // Foto: William Veder / pixelio ...

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