Das subjektive Ungerechtigkeitsempfinden

Zweifelsohne gibt es in Deutschland Justizopfer aufgrund von Fehlurteilen – nicht selten habe ich darüber hier in der Strafakte berichtet. Aber insbesondere wenn man hier oder in anderen juristischen Blogs die Kommentare einzelner Nutzer liest, beschleicht einen der Eindruck, man lebe in einem Unrechtsstaat. Woher kommt dieses subjektive Ungerechtigkeitsempfinden?

Besser nicht unverteidigt

Das in vielen Kommentaren geäußerte Ungerechtigkeitsempfinden entstammt meist Prozessen vor dem Amtsgericht: Man sei dort nicht richtig angehört worden, der Richter wollte die (mitgebrachten) Beweisstücke nicht würdigen, die Zeugen hätten gelogen oder das Urteil des Richters hätte von Anfang an festgestanden. Entsprechend der menschlichen Natur sucht man dann die Schuld zunächst bei den anderen anstatt bei sich selbst.

Den hier in Rede stehenden Verfahren gemein ist außerdem, dass die Angeklagten in den allermeisten Fällen unverteidigt – also ohne einen Rechtsanwalt – vor Gericht erschienen sind. Das ist natürlich ihr gutes Recht, jedoch absolut nicht ratsam! Ich habe das Wort „unverteidigt“ so absichtlich gewählt, weil dies der Wirklichkeit entspricht: Es ist eine Fehlvorstellung zu glauben, man könne sich vor dem Amtsgericht selbst verteidigen – dieses Unterfangen ist zum Scheitern verurteilt!1 Das Strafverfahren ist sehr formalistisch aufgebaut; was nicht aus dem Gesetz folgt, ergibt sich aus der jahrelangen Übung des Richters.

Amtsrichter stehen unter enormem Druck, um ihre beachtlich hohe Verfahrenszahl überhaupt bewältigen zu können. Dementsprechend eng müssen sie ihre Verhandlungstermine takten – was zweifelsohne dazu führt, dass eine gewisse „Beschleunigung“ im Verteidigungsvorbringen eines Angeklagten geboten ist, denn das nächste Verfahren wartet praktisch schon vor der Tür ...

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