Lesetipp auch für Studierende: BGH zur Strafbarkeit eines Arztes wegen Körperverletzung mit Todesfolge nach dem Tod von Patienten durch Fentanyl-Pflaster

Der Missbrauch von Fentanyl-Pflastern in der Drogenszene wird schon seit längerem beobachtet (s. meine Blog-Beiträge vom 16.6.2012, 13.4.2013 und 1.6.2013). Nun muss sich ein Facharzt für Allgemeinmedizin, der neben anderen Patienten auch jeweils etwa 30 Substitutionspatienten behandelte, wegen Körperverletzung mit Todesfolge vor Gericht verantworten. Er hatte zwei Patienten in Kenntnis deren Heroinabhängigkeit Fentanyl-Pflaster verschrieben, ohne dass er jeweils zuvor eine sorgfältige Untersuchung durchgeführt hatte und eine Diagnosestellung erfolgt war. Die Patienten extrahierten den Wirkstoff aus den Pflastern, konsumierten das Fentanyl und verstarben nach einer Überdosis.

Das Landgericht Augsburg verurteilte den angeklagten Arzt wegen zweier tatmehrheitlicher Fälle der Körperverletzung mit Todesfolge und anderen Delikten zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 8 Jahren und verhängte ein Berufsverbot von 4 Jahren.

Der BGH hob diese Entscheidung auf (Beschluss vom 16.1.2014, 1 StR 389/13). Angesichts der eigenhändigen Einnahme des Fentanyls durch die Verstorbenen reicht ihm die Annahme einer tatbestandsmäßigen Fremdgefährdung kraft überlegenen Wissens des Arztes in Abgrenzung zu einer (grundsätzlich straflosen) eigenverantwortlichen Selbstgefährdung nicht aus ...

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