Körperverletzung beim Karnevalsumzug

Ist das spielerische Hochheben einer Person unter jungen Leuten am Rande eines Fasnachtsumzugs noch ein sozialadäquates Verhalten? Diese Frage stellte sich dem Landgericht Ravensburg im Rahmen eines Schadensersatzprozesses.

Die Antwort des Landgerichts: Wer eine erwachsene Person ohne wahrnehmbare gesundheitliche Einschränkungen solcherart hochhebt, handelt nicht sorgfaltswidrig, wenn er sie absetzt, indem er sie bei nur noch relativ geringem Abstand der Füße zum Boden aus seinen Händen hinabgleiten lässt.

Im entschiedenen Fall hob der Beklagte, ein überaus stämmiger junger Mann, die Klägerin, eine eher zierliche junge Frau, an der Hüfte an und legte sie sich über die Schulter in der Weise, wie man sich etwa einen Sack über die Schulter legt, also so, dass die Klägerin mit dem Bauch nach unten und dem Kopf auf der Rückenseite des Beklagten zu liegen kam; und vom Beklagten an den Beinen gehalten wurde. So drehte sich der Beklagte um seine Achse und ließ dann die Klägerin wieder zu Boden gleiten, stellte sie also wieder auf die Beine. Wenig später nahm er sie ein weiteres Mal in gleicher Weise hoch. Dass die Klägerin hier zuvor schon zu erkennen gegeben hätte, dass sie solches nicht nochmals wolle, konnte das Gericht nicht feststellen. Erst als der Beklagte sie ein zweites Mal tatsächlich hochnahm, äußerte die Klägerin wohl, dass er dies bleibenlassen solle. Dieser Aufforderung kam der Beklagte dann aber auch gleich nach und ließ die Klägerin wieder von seiner Schulter herabgleiten bzw. stellte sie ab. Dass der Beklagte hierbei die Klägerin regelrecht fallengelassen habe oder auch nur dass die Klägerin ihm hierbei unvorhergesehenermaßen entglitten sei, konnte das Gericht nicht feststellen. Festzustellen ist nur, dass der Beklagte die Klägerin sicher nicht denkbar behutsam auf den Boden gestellt hat; er hat sie bereits losgelassen, als sie sich mit den Füßen noch in der Luft befand ...

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