Pärchensuche in Berlin-Mitte oder: Der ganz normale Wahnsinn am Amtsgericht

Eine gweisse Anzahl an Faktoren führt dazu, dass auch gestandene Rechtsanwälte gelegentlich bis häufig auf Pärchensuche gehen müssen. Dieses Phänomen kann man erblicken, wenn man einen Termin am Amtsgericht Berlin-Mitte hat. Doch wie kommt es dazu?

Nennen wir es eine Mischung aus Überlastung, Zuständigkeitsregelungen und dem ganz normalen Großstadtdschungel. Gemäß den Zuständigkeitsvorschriften ist das Amtsgericht Mitte nicht nur für die normalen Zivilsachen in seinem Bezirk zuständig, sondern übernimmt neben den Zivilsachen des Amtsgerichts Tiergarten, welches bekanntlich die ganzen Strafsachen übergeholfen bekommt, auch noch sämtliche Straßenverkehrssachen aus ganz Berlin. Das bedeutet, dass jeder Verkehrsunfall (!), bei dem es zu Unstimmigkeiten über die Regulierung kommt, vor diesem Gericht verhandelt wird. Das sind nun nicht gerade wenige Angelegenheiten, so dass hier eine enorme Masse an Verfahren entsteht. Damit muss man umzugehen wissen.

Die Richter gehen damit auf ihre ganz eigene Art um. Dies beginnt damit, dass man Terminsladungen zu Daten bekommt, bis zu denen man sein ganzes Leben umplanen kann. Nicht selten liegt zwischen Ladung und Termin ein Zeitraum von über einem Jahr. Umso schneller ist der Termin dann zu Ende, zumindest wenn es sich um den ersten Termin handelt. Dieser dient in der Regel nur dazu, die Anträge, die schon im Schriftwechsel gestellt wurden, noch einmal mündlich zu stellen. Das dauert 1-3 Minuten, danach darf man dann wieder gehen. Nur in Ausnahmefällen und bei Richtern, die anscheinend selbst jetzt noch zu wenig zu tun haben, erhält man die Chance, einen Vergleichsversuch zu wagen oder wenigstens ein bis zwei Sätze zur Sache auszutauschen. Vor den 1-3-Minuten-Termin hat das Amtsgericht Mitte jedoch noch die Pärchensuche gesetzt ...

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