Unterlassener Rat zu einem Mammographiescreening = grober Behandlungsfehler?

Rechtsanwalt Dennis Kreuzer

Die Frage, bei welcher Sachlage von einem groben Behandlungsfehler eines Arztes gesprochen werden kann, ist für die Bewertung, ob aus der durchgeführten Behandlung Schadensersatz- und Schmerzensgeldansprüche des behandelten Patienten entstehen, von erheblicher Bedeutung.

Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (BGH) ist ein grober Behandlungsfehler zu bejahen, „wenn der Arzt eindeutig gegen bewährte ärztliche Behandlungsregeln oder gesicherte medizinische Erkenntnisse verstoßen und einen Fehler begangen hat, der aus objektiver Sicht nicht mehr verständlich erscheint, weil er einem Arzt schlechterdings nicht unterlaufen darf“ (BGH – VI ZR 139/10).

Sofern ein grober Behandlungsfehler vorliegt, führt dies zu einer Beweislastumkehr für den kausalen Zusammenhang zwischen Fehler und Schaden. Dies bedeutet, dass die Ursächlichkeit des groben Behandlungsfehlers für den eingetretenen Schaden vermutet wird und sich der Arzt in einem Rechtsstreit entlasten muss. Normalerweise obliegt es dem klagenden Patienten, die Ursächlichkeit zwischen dem Behandlungsfehler und dem eingetretenen Schaden nachzuweisen.

Das Oberlandesgericht Hamm hat mit Urteil vom 12.08.2013 in diesem Zusammenhang Folgendes entschieden:

„Ein Frauenarzt haftet auf Schadenersatz, wenn er einer Patientin, bei der in späteren Jahren Brustkrebs diagnostiziert wurde, nicht bereits bei der im Jahr 2008 durchgeführten Krebsvorsorgeuntersuchung zu einem Mammographiescreening geraten hat. Die unterlassene Beratung kann als grober Behandlungsfehler zu bewerten sein, wenn es der Patientin auf die Minimierung jedweden Brustkrebsrisikos ankam und ihr zudem ein Medikament verordnet wurde, das geeignet war, das Brustkrebsrisiko zu erhöhen“ (OLG Hamm – 3 U 57/13) ...

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