Wenn Verteidiger zu viel fragen: Fehler bei der Zeugenvernehmung und das abgebissene Ohr

Der Kollege Müller hat gestern im Blog “Kanzlei und Recht” unter dem Titel “Manche Fragen sollte man sich als Verteidiger verkneifen” über einen Mitverteidiger berichtet, der eine halbwegs entlastende Zeugenaussage zum Nachteil seines Mandanten kaputt gefragt hat. Müller spricht damit ein Problem an, das mir in vielen Strafprozessen immer wieder begegnet ist, nämlich das bei Verteidigern oft fehlende Bewusstsein über die Brisanz mancher Fragen und die in der Juristenausbildung deutlich zu kurz kommende bzw. gar nicht erst vorhandene Vermittlung von effektiven Fragetechniken.

Im Jurastudium, aber auch in der Referendarausbildung führen viele in der Berufspraxis außerordentlich bedeutsame Themenfelder ein Schattendasein. Zeugenpsychologie und der psychologisch geschickte Umgang mit Richtern, Staatsanwälten und Gutachtern, Vernehmungstechniken, forensische Psychiatrie und nicht zuletzt die hohe Kunst der Rhetorik und des Schlussvortrages – auch Plädoyer genannt -, all das wird allenfalls mal in nicht zur Pflichtausbildung gehörenden Kursen und Seminaren vermittelt, während ansonsten eine recht abstrakte Vermittlung von Normen sowie das Erlernen von Subsumtions- und Relationstechniken im Vordergrund steht.

Wie befrage ich als Verteidiger einen Zeugen vor Gericht und welche Fehler kann ich dabei machen? In der angelsächsischen und wohl auch in der US-amerikanischen Juristenausbildung wird das sehr viel intensiver gelehrt und gelernt als bei uns ...

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