Wann ist ein Ladendiebstahl gewerbsmäßig? Vielleicht hilft ja der Ladendetektiv bei der Klärung dieser Frage…

Zu 8 Monaten Freiheitsstrafe ohne Bewährung wegen Diebstahls im besonders schweren Fall war mein Mandant erstinstanzlich verurteilt worden, weil er zwei Jeanshosen zum Kaufpreis von jeweils 149 Euro in einer mit Alufolie ausgekleideten Tasche aus einem Mönchengladbacher Bekleidungsgeschäft entwenden wollte, beim Verlassen des Ladens aber gestellt wurde. Der Mittzwanziger stammt aus Marokko und ist vor etlichen Jahren mal unter erheblichem Risiko gemeinsam mit anderen Boatpeople über das Mittelmeer nach Italien geflüchtet. Er hat für Deutschland keine Aufenthaltserlaubnis und war nach einem abgelehnten Asylantrag schon einmal nach Italien abgeschoben worden. Von dort ist er dann vor einem Jahr illegal wieder nach Deutschland eingereist.

Gewerbsmäßigkeit hatte das Amtsgericht angenommen, weil der Mann innerhalb eines Jahres schon das vierte Mal bei einem Ladendiebstahl erwischt worden war und kein nachvollziehbares Einkommen hat. Der lebt vom Diebstahl, war wohl die Devise, die der Annahme der Gewerbsmäßigkeit zugrunde lag.

In der gestrigen Berufungshauptverhandlung habe ich die These vertreten, dass Gewerbsmäßigkeit nicht einfach unterstellt werden dürfe. Schließlich wisse man bezüglich der angeklagten Tat nur, dass der Mann halt zwei Hosen klauen wollte. Ob er diese veräußern oder selbst tragen wollte, sei genauso ungeklärt wie die Frage, wovon der Mann lebt. Da gebe es viele Möglichkeiten. Jedenfalls stelle es lediglich eine spekulative Erwägung dar, dass der Mann gewerbsmäßig klaue. Der Staatsanwalt war anderer Auffassung. Für ihn sei die Gewerbsmäßigkeit klar. Egal, ob für sich selbst oder zum Verkauf, jedenfalls habe der Mann sich eine Einnahmequelle von einiger Dauer und einigem Umfang verschaffen wollen ...

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