Ein christliches Trauerspiel

Der Stellvertreter ist ein Schauspiel des deutschen Schriftstellers Rolf Hochhuth aus dem Jahr 1963, das die Haltung des Vatikans zum Holocaust thematisiert.

Als christliches Trauerspiel. So die Genrebezeichnung, die mit dem Theaterstück “Der Stellvertreter” von Hochhuth verbunden, in fünf Akten und in freien jambischen Versen verfasst, die Versuche des fiktiven Jesuitenpaters Riccardo Fontana schildert, das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche, Papst Pius XII., von der Deportation und massenhaften Vernichtung von Juden in Konzentrationslagern durch NS-Deutschland zu informieren. Fontana verlangt vom Papst im Oktober 1943 einen deutlichen Protest gegen die Vernichtung der europäischen Juden während der Deportation der römischen Juden in das Vernichtungslager Auschwitz. Seine Forderung bleibt unerhört, erfüllt. Fontana entscheidet sich daraufhin, sich den Deportierten anzuschliessen. Unerhört fand man das Theaterstück, das die Rolle des Papstes in der NS-Zeit und der katholischen Kirche in Frage und an der Pranger der geschichtlichen Betrachtung stellte vor rund 50 Jahren.

Ein christliches Trauerspiel könnte man auch nennen, wie die evangelische Kirche mit ihrer Rolle im Nationalsozialismus umgegangen ist. In Schleswig-Holstein gab die Kirche selbst eine entsprechende Studie in Auftrag gab. Inzwischen hat der Historiker Stephan Linck unter dem Titel “Neue Anfänge? Der Umgang der evangelischen Kirche mit der NS-Vergangeneit und ihr Verhältnis zum Judentum” auf 350 Seiten geschichtliche Fakten zusammengetragen und ist dabei nach eigener Schilderung auf eine Reihe von “Gruselgeschichten” gestoßen. Er nennt beispielhaft die von ehemaligen Nazi-Bischöfen, die nach 1945 erneut zu Pastoren wurden ...

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