Von der Währungsunion wollte Francis Mann nichts wissen

Das Manuskript, das der emigrierte deutsche Jurist Francis Mann Anfang 1938 nach Oxford an die renommierte Clarendon Press schickte, veränderte die Spielregeln des altehrwürdigen englischen Gerichtssystems. Traditionell galt es als unzulässig, bei Gericht noch lebende Autoren zu zitieren. Auf Mann jedoch bezogen sich auch hohe Richter – selbst im House of Lords fanden seine Überlegungen zum Geld- und Währungsrecht Erwähnung. Noch kurz vor seinem Tod im September 1991 korrigierte Mann die Druckfahnen der fünften Auflage. „The Legal Aspect of Money“ wurde zum Standardwerk.

Zuvor hatten Juristen den geheimnisvollen Gegenstand des Geldes eher für eine esoterische Domäne der Ökonomen gehalten, von der man sich lieber fernhielt. Auch der Autor, 1907 als Friedrich Alexander Mann im pfälzischen Frankenthal geboren, machte um ökonomische Theorien einen weiten Bogen. Der Gegenstand des Geldes würde aus einer rein juristischen Perspektive verhandelt, betonte er, vom neutralen Standpunkt des Rechts. Ökonomie und Finanzwissenschaft, Soziologie, Geschichte und Politik sollten völlig ausgeklammert bleiben.

Dabei hatte Mann, Enkel eines Bankiers, selbst die katastrophalen Folgen der Inflation in Deutschland erlebt. Nach dem Studium in Genf, München und Berlin legt der Sohn eines jüdischen Anwalts 1930 in Berlin das Erste Staatsexamen ab und wird Assistent des Zivilrechtlers Martin Wolff, bei dem er 1931 promoviert wird. Aus dem Referendariat entlassen, tritt Mann in München in eine Kanzlei ein, kann dann im Oktober 1933 doch noch das Zweite Staatsexamen absolvieren. Wenige Tage nach ihm wird seine Freundin Eleonore Ehrlich examiniert, eine der ersten Berliner Doktorinnen der Rechtswissenschaft, „unglaublich gut“, wie ein Zeitzeuge mitteilt, und eine bei den Studenten beliebte Dozentin. Der Entschluss zur Emigration ist längst getroffen ...

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