Warten ist des Anwalts Frust – Selbst die Polizei kann bei so viel Verhandlungsunfähigkeit nicht helfen

Amtsgericht Mönchengladbach-Rheydt

In den nächsten Wochen und Monaten bin ich mit Hauptverhandlungen so ziemlich austerminiert. Fast kein Tag, an dem ich nicht in irgendeinem Gerichtssaal aufschlagen muss. Umso schlimmer ist, wenn dann Termine ohne Not platzen.

11:15 Uhr: Derzeit sitze ich in einem Raum des Rheydter Amtsgerichts und warte mit den anderen Verfahrensbeteiligten darauf, ob der Hauptbelastungszeuge und Nebenkläger mit Hilfe der Polizei vorgeführt werden kann. Der Mann hat nämlich über seinen Anwalt unmittelbar vor Sitzungsbeginn ein ärztliches Attest überreichen lassen, in dem es heißt, der Patient leide seit dem hier in Rede stehenden Vorfall – eine Körperverletzung aus Mai 2011 – an Angststörungen und habe panische Furcht, vor Gericht zu erscheinen. Der Mann traue sich überhaupt kaum noch aus dem Haus. Es solle doch geprüft werden, ob die Zeugenaussage nicht schriftlich oder bei ihm zuhause in Abwesenheit der beiden Angeklagten erfolgen könne. Von einer Verhandlungsunfähigkeit ist allerdings nicht die Rede. Das Attest ist von einem Allgemeinarzt ausgestellt worden und trägt das Datum von heute. Da steht auch nicht drin, dass der Mann sich schon seit längerem wegen seiner Angststörung in ärztlicher Behandlung befindet. In den knapp drei Jahren seit dem streitigen Tatgeschehen, das relativ banal war und zu einer Anklage bei der Einzelrichterin geführt hat, war von einer die Zeugentauglichkeit beeinträchtigenden Angststörung auch nie die Rede. Dagegen spricht auch, dass er schon wenige Tage nach dem in Rede stehenden Geschehen auf einer Kirmes gesehen wurde. Die Anklage datiert aus April 2012, die Ladung zur Hauptverhandlung ist auch schon ein paar Monate alt ...

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