Heimlich geschieden

Kurios, aber wahr: Man kann geschieden sein, ohne es auch nur annähernd zu wissen.

Unsere durchaus betagte Mandantin lebte mit ihrem Ehemann bis zu dessen Tod völlig “normal” zusammen. Er war in den letzten Jahren seines Lebens ein Pflegefall, seine Ehefrau hat diese Pflege in der gesamten Zeit gewährleistet. Nach dem Tod ihres Mannes und seiner Beerdigung stellte die Mandantin bei der Rentenversicherung einen Antrag auf Gewährung ihrer Witwenrente.

Dann die zunächst ungläubig aufgenommene Nachricht der Rentenversicherung: Die Witwenrente werde abgelehnt, da man am Todestag nicht miteinander verheiratet gewesen sei. Und es wurde noch schlimmer: Nach Information der Rentenversicherung sei die Ehe schon vor einigen Jahren geschieden worden.

Was war passiert: Offenbar war der Ehemann wenige Jahre vor seinem Tod allein in seine Heimat, einen Staat des ehemaligen Jugoslawiens, gereist. Offiziell, um dort Urlaub zu machen. Tatsächlich hat er dort die Scheidung vor einem Gericht eingereicht und dieses Verfahren auch akribisch betrieben. Die Schriftstücke des Scheidungsgerichts wurden der Mandantin nach Deutschland zugeschickt – das Einschreiben wurde jeweils von dem pünktlich wieder zurückgekehrten Ehemann in Empfang genommen, mit dem bloßen Nachnamen gegengezeichnet und anschließend dem Altpapier zugeführt ...

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