Familie – und sonst nichts? Die Rote Flora und der Weihnachtsmarkt

Die Bildzeitung veröffentlichte anlässlich der jüngsten Tumulte im Zusammenhang mit der Roten Flora eine Art Interview mit dem Polizeigewerkschafter Joachim Lenders. In der Einführung war von einer “Gewaltorgie” die Rede – und selbstredend war damit nicht die strukturierte, legitimierte, sondern die “nichtlegitimierte” Gewalt gemeint. Auf die Frage, ob der Einsatz erfolgreich gewesen sei, sagte Lenders: „Ja, denn die Polizei konnte die Störer aus der Innenstadt fernhalten, wo Familien den Weihnachtsmarkt besuchten.“ Das Interview war ja, wie bei der Bildzeitung gewohnt sehr kurz, als nichtssagend möchte ich es allerdings nicht bezeichnen. Mir scheint nämlich, dass obiger im Gegenteil das Problem sehr genau benennt, ohne es aber zu verstehen.

Eine Parallele wäre der Sport; dort gibt es ja auch die “Chaoten”, “Idioten” oder “Kriminellen”, die den Sport, vor allem den Fußball als harmloses Familienvergnügen entweihen. Nun wurde dazu passend vor kurzem gemeldet, dass Frau von der Leyen ihr Ministerium – das Verteidigungsministerium – dem Familienministerium unterstellen will. Familie – und sonst nichts?

Sigmund Freud hatte in seiner kulturkritischen Schrift “Das Unbehagen in der Kultur” noch von einem Antagonismus zwischen Familie und Gesellschaft geredet. Das ist lange her. Inzwischen wird – vielleicht als Konsequenz des Lutherismus – die Gesellschaft durchfamiliarisiert. Man kann ihr quasi nirgends mehr entkommen. Alles muss schön, nett und familienfreundlich sein ...

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