Die dumpfe Seite des BILD-Journalismus – Primitive Berichterstattung über ein NS-Verfahren ohne rechtsstaatliches Augenmaß

Oradour-sur-Glane, Foto: Bundesarchiv

Dass die Yellow-Press in allen Ländern nicht zimperlich in ihren Methoden und in der Qualität ihrer Berichterstattung ist, gehört zum Gemeingut der Erkenntnisse über journalistische Arbeit. Und dass BILD dabei in unserem Land eine Vorreiterrolle zukommt, wohl auch. Wobei das nicht heißt, dass da nicht auch immer wieder mal richtig guter Journalismus produziert wird und bisweilen geniale Headlines kreiert werden (z.B. “Wir sind Papst”), die über Jahre hinweg Wirkung haben.

Andererseits wird der Headline gerne die differenzierende Betrachtung geopfert, da fehlt dann nicht nur die Zeit, sondern offensichtlich auch die Kompetenz und das Verantwortungsbewusstsein, von menschlichem Mitgefühl gar nicht erst zu reden. Und nicht immer wird rechtlich zu Ende gedacht, welche Art der Berichterstattung unter Berücksichtigung der Persönlichkeitsrechte von Betroffenen denn zulässig ist. Dabei sind der Primitivität der Berichterstattung offensichtlich keine Grenzen gesetzt.

Am vergangenen Sonntag haben Bild-Reporter meinem 88-jährigen Mandanten Werner C., dem seitens der Staatsanwaltschaft Dortmund auf dünner Tatsachengrundlage die Beteiligung am Massaker von Oradour vorgeworfen wird, auf dem Weg zum Einkauf in einen Supermarkt aufgelauert und unbefugt und ohne sein Wissen Fotos von ihm geschossen, die dann ungepixelt oder anderweitig anonymisiert im Internet und wohl auch in der Printausgabe von Bild veröffentlicht worden sind. Einer der Reporter hat den alten Herrn, der sich auf der Straße mit Hilfe seines Rollators fortbewegte und mangels ausreichender Mobilität nicht einfach flüchten konnte, mit bösen Worten und Vorwürfen penetriert ...

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