Goethe und die Kindsmörderin

Johann Wolfgang von Goethe gilt als Deutschlands größter Dichter – als ein „Universalgenie“. Auf Weisung des Vaters hatte Goethe in Leipzig Jura studiert, später arbeitete er vier Jahre als Rechtsanwalt und schließlich als Mitglied in dem „Geheimen Consilium“ – einem dreiköpfigen Beratergremium des Herzogs Karl August in Weimar.

Bereits in seiner Disputation 1771 beschäftigte er sich mit der Frage, ob eine Kindsmörderin zum Tode verurteilt werden solle. Kurz darauf verfolgte er in Frankfurt/Main den Strafprozess gegen die Dienstmagd Susanna Margaretha Brandt, die ihr neugeborenes Kind tötete. Einige an dem Prozess Beteiligte gehörten zu seinen Bekannten1, von denen er sich Abschriften der Prozessakten fertigen ließ. Er war von diesem Fall so beeindruckt, dass die Tragödie um die Kindesmörderin „Gretchen“ ein zentrales Motiv des Urfaust wurde – die Gretchentragödie.

Die angeklagte Dienstmagd Susanna Margaretha Brandt wurde im Strafverfahren entsprechend den damaligen Gesetzen zum Tode verurteilt und am 14. Januar 1772 öffentlich hingerichtet.

Die Gretchentragödie im Filmepos „Faust – eine deutsche Volkssage“ von 1926 (Episodenfoto)

Auch später beschäftigte sich Goethe viel mit dem Thema des Kindsmordes. Im Falle der Dienstmagd Johanna Catharina Höhn, die ebenfalls ihr Kind getötet hatte, befragte der Richter die drei Mitglieder des „Geheimen Consiliums“ um Rat, ob das Urteil tatsächlich auf Todesstrafe lauten soll ...

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