Haftentlassung ohne große Freude: “Jetzt hätten sie auch noch bis Montag warten können”

Zum ersten Mal im neuen Jahr geht´s für mich wieder zum Gericht, und beide Verfahren, in denen verhandelt wird, sind nicht ganz ohne. Zunächst wird eine Hauptverhandlung vor dem Schöffengericht fortgesetzt, in der es um Veruntreuung von etlichen 10.000 Euro bei einer öffentlichen Einrichtung geht. Zunächst aus einer finanziellen Notsituation heraus und dann aus Frust habe sie Gelder auf Konten abgezweigt, über deren Guthaben sie letztlich verfügen konnte, hat sich die frühere Justizbedienstete eingelassen. Das Geld habe sie mehr oder weniger sinnlos verprasst, Freunde ausgehalten und Frustkäufe getätigt. Einen Großteil der Klamotten, die sie sich gekauft habe, habe sie nie getragen, die hingen jetzt noch mit den Kaufetiketten versehen in ihrem Schrank. Die junge Staatsanwältin konnte letzteres gar nicht glauben, kein Mensch kaufe für zehntausende Euro Sachen aus Frust, meinte sie etwas schnippisch, irgendwo müsse sicher noch ein Teil des Geldes gehortet sein. Wenn die wüsste, wie sinnlos Menschen sich verhalten können. Auf meinen Antrag hin ist ein Sachverständigengutachten zur Schuldfähigkeit veranlasst worden, aber das liegt noch nicht schriftlich vor. Heute werden erst mal weitere Zeugen gehört.

Ja, und dann geht es weiter mit dem von mir schon mehrfach berichteten Stalkingverfahren um eine Kriminalhauptkommissarin, und zum ersten Mal werde ich meinem Mandanten auf freiem Fuß begegnen, weil er am Freitag endlich aus der Untersuchungshaft entlassen wurde. Die Strafkammer hat den Haftbefehl in erster Linie mit der zutreffenden Begründung aufgehoben, dieser sei nach 20 Monaten nicht mehr verhältnismäßig und Fluchtgefahr bestehe in Anbetracht der erstinstanzlichen Verurteilung zu 3 Jahren und 5 Monaten auch nicht mehr, zumal nur ein Teil der zur Verurteilung gelangten Taten Gegenstand des Haftbefehls seien ...

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