“Die Energiewende hat der Gesetzgeber nicht aus Langeweile gemacht”

Die Industrie will sich mit einer Verfassungsbeschwerde dagegen zur Wehr setzen, für die Folgen der Energiewende in Haftung genommen zu werden. Worum geht es da?

Es gibt zwei Konstellationen: In der einen produzieren die Windparks zu viel Strom und destabilisieren das Netz. Dann können die Übertragungsnetzbetreiber Industrieunternehmen zwingen, ihre Kraftwerke abzuschalten. In der anderen Konstellation produzieren die Windparks zu wenig Strom, und die Netzbetreiber fordern von Industrieunternehmen, Strom, den sie sonst selbst verwenden würden, ins Netz einspeisen. In beiden Fällen müssen die betroffenen Unternehmen womöglich ihre Produktion einstellen, weil ihnen Wärme oder Strom fehlt. Und § 13 Energiewirtschaftsgesetz, der diese sehr einschneidenden Maßnahmen ermöglicht, sieht dafür keine Entschädigung vor.

Wäre eine solche denn verfassungsrechtlich geboten?

Das wäre sie, wenn es sich um eine Enteignung handeln würde. Die gibt es nur gegen Entschädigung. Eigentum ist aber nach Art. 14 I 2 GG sozialpflichtig. § 13 EnWG kann auch einfach eine Ausgestaltung des Eigentums sein. Es geht nicht um den Bestand des Eigentums, sondern nur um seinen Gebrauch, nicht um das Ob, sondern um das Wie.

Aber auch dafür kann eine Entschädigung nach Art. 14 GG geboten sein, oder nicht?

Das BVerfG hat anerkannt, dass es in schweren Fällen eine Art Billigkeits-Entschädigungspflicht geben muss. Das gab es zum Beispiel im so genannten Pflichtexemplar-Fall: Wer ein Buch publiziert, muss Pflichtexemplare an Bibliotheken abliefern. Wenn man aber einen sehr teuren Kunstband produziert, kann einen das in den Ruin treiben. In dem Fall hat das BVerfG gesagt, die Regelung sei nur dann verhältnismäßig, wenn es eine Entschädigung gibt ...

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