Sind Richter und Staatsanwälte einfach überarbeitet und unterbezahlt?

Den Eindruck könnte man haben, wenn man den Zahlen folgt, die der Landeschef des Deutschen Richterbundes (DRB), Reiner Lindemann, laut rp-online zur Personalstärke, Arbeitszeit und Besoldung von Richtern und Staatsanwälten beklagt. Danach fehlen nämlich allein in Nordrhein-Westfalen 480 Richter und 210 Staatsanwälte, was – wenn ich die Klage richtig interpretiere – zu ständiger Überforderung des aktiven Personals führe. 4930 Richter in allen Zweigen der Gerichtsbarkeit und 1080 Staatsanwälte gibt es danach derzeit in NRW. Die Zahl der Strafrichter wird nicht separat ausgewiesen.

Laut Lindemann kommen die Amtsrichter im OLG-Bezirk Hamm nach einer Erhebung auf durchschnittlich 51,25 Stunden Wochenarbeitszeit, bezahlt würden sie aber nur für 41 Stunden. Junge Richter und Staatsanwälte arbeiteten sogar 55 bis 60 Stunden pro Wochen, und das bei einer Nettobesoldung von ca. 2.550 Euro bei einem ledigen 28-jährigen Amtsrichter.

Wie authentisch die Zahlen sind, die da genannt werden, vermag ich nicht zu beurteilen. Haben die Hammer Amtsrichter im Wege der Selbstauskunft ihre wöchentliche Arbeitszeit geschätzt und dabei die gesamte berufsbedingte Abwesenheit von zuhause und die Stunden am häuslichen Schreibtisch, die sie mit Aktenarbeit verbringen, zusammengerechnet? Haben sie Fahrtzeiten mit eingerechnet oder nicht? Wurden Kaffepausen und Kantinenzeiten im Gericht mitgerechnet oder der dem Vernehmen nach nicht ganz seltene Alltagsplausch mit Kollegen?

Vor Jahren hat mir mal ein befreundeter Richter, der an einem Landgericht tätig war, erzählt, dass er an einem Burn-out-Syndrom gelitten und deshalb irgendwann psychologische Hilfe in Anspruch genommen hat. Auf 60 bis 70 Stunden habe er gefühlsmäßig seine Wochenarbeitszeit geschätzt ...

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