Betriebliches Eingliederungsmanagement kann auch die private Lebensführung des Arbeitnehmers erfassen

Nach Auffassung des Hessischen Landesarbeitsgerichts kann ein "betriebliches Eingliederungsmanagement" (§ 84 Abs. 2 SGB IX) auch die private Lebensführung des Arbeitnehmers umfassen. Beschränke sich der Arbeitgeber bei einem häufig erkrankten Arbeitnehmer darauf, diejenigen gesundheitlichen Risiken in den Blick zu nehmen, die aus dem beruflichen Tätigkeitsbereich resultieren, sei dies unzureichend. Der Arbeitgeber habe dann nicht alles im Sinne des Verhältnismäßigkeitsprinzips Erforderliche getan, um den Bestand des Arbeitsverhältnisses zu sichern. Eine (krankheitsbedingte) Kündigung sei daher sozial nicht gerechtfertigt, § 1 Abs. 2 KSchG (LAG Hessen, Urt. vom 03.06.2013 - 21 Sa 1456/12, BeckRS 2013, 73108).

Im Streitfall war der 47-jährige Kläger, der seit 1991 bei der Beklagten tätig ist, in den Jahren 2008 bis 2011 mehrfach erkrankt (2008: 69 Fehltage, 2009: 74, 2010: 62, 2011 bis Mitte November: 120). In drei Fällen beruhte die Arbeitsunfähigkeit auf Arbeitsunfällen. Eine im Januar 2010 durchgeführte arbeitsmedizinische Untersuchung des TÜV kam zu dem Ergebnis, dass der Kläger weiterhin im Schichtbetrieb als Maschinenführer vollschichtig eingesetzt werden könne. Es hätten sich keine Hinweise darauf ergeben, dass die gehäuften krankheitsbedingten Fehlzeiten in der Vergangenheit im Zusammenhang mit dem Arbeitsplatz stehen könnten. Es ergebe sich aus medizinischer Sicht kein sicherer Anhalt dafür, dass künftig weitere krankheitsbedingte längere Fehlzeiten auftreten werden.

Nachdem der Kläger dann aber im Verlaufe der Jahre 2010 und 2011 doch wieder erhebliche AU-Zeiten aufzuweisen hatte, kündigte die Beklagte das Arbeitsverhältnis im November 2011 fristgerecht. Die Kündigungsschutzklage hatte in den ersten beiden Instanzen Erfolg ...

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