Ein trauriges Schicksal, eine reichlich teure Strafe für den Steuerzahler und viele Fragezeichen….

Land- u. Amtsgericht Mönchengladbach

Es gibt Strafverfahren, die sind einfach doof. Und zwar für alle Beteiligten. Doof deshalb, weil eigentlich alle wissen, dass das Ganze keinen rechten Sinn macht und insbesondere nicht zu dauerhaften Lösungen führt.

In so einem Fall hatte ich am vergangenen Donnerstag vor dem Amtsgericht Mönchengladbach zu verteidigen. Sinnvoll zu “lösen” war die Sache ohnehin nicht. Angeklagt war Abdullah (Name geändert), ein gut aussehender junger Kerl aus dem maghrebinischen Raum mit traurigen dunklen Augen in einem melancholischen Gesicht. Es ging um einen simplen Ladendiebstahl, simpel jedenfalls dann, wenn man das Auskleiden einer Tasche mit Stanniolpapier zur Überlistung der elektronischen Warensicherung nicht als besonders raffiniert ansieht. Zwei Designerjeans zum Kaufpreis von insgesamt knapp 300 Euro hatte der Angeklagte in der Tasche verborgen und den Kassenbereich ohne zu zahlen passiert, als er von einem Ladendetektiv angesprochen wurde.

Den Diebstahl hatte er sofort zugegeben und war dann via Polizei dem Haftrichter vorgeführt worden, der auch prompt einen Haftbefehl erließ, weil das die vierte einschlägige Tat innerhalb eines Jahres war und zuletzt nach dreimonatiger Untersuchungshaft 8 Monate mit Bewährung verhängt worden waren. Der Haftgrund der Fluchtgefahr wurde bejaht, weil der Mann sich zum wiederholten Mal illegal in Deutschland aufhielt und damit zu rechnen war, dass er sich dem Verfahren entziehen würde. Sicher keine abwegige Annahme, denke ich.

Im Knast hatte Abdullah von einem Mithäftling meinen Namen gehört und mich als Pflichtverteidiger benannt, und das Gericht hat dann – ohne nach meinen zeitlichen Möglichkeiten zu fragen – einen entsprechenden Beiordnungsbeschluss gefasst. Ich habe die Verteidigung irgendwie einrichten können, und deshalb saß ich jetzt mit meinem Mandanten vor dem Einzelrichter ...

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