10 Jahre Zahlenakrobatik im Urheberrecht

Hinweis: Nachfolgender Artikel von David Pachali erschien zuerst in Ausgabe Nr. 297 «Netzpolitik» (PDF) der «Fabrikzeitung» und wurde unter der CC BY-SA 3.0 (nicht portiert)-Lizenz veröffentlicht.

Kaum ein paar Monate vergehen, ohne dass eine neue Studie oder ein neuer Bericht über die ökonomischen Auswirkungen von Filesharing erscheint. Die Ergebnisse fallen unterschiedlich aus – so oder so aber zeigen sie, wie stark die Rechteindustrie ihre Fragen in der Debatte verankern konnte.

Es gibt kaum einen Bereich der Netzpolitik, in dem so ausdauernd und über mittlerweile mehr als ein Jahrzehnt mit Zahlen jongliert wird, wie beim Thema Filesharing und Urheberrecht. In seinem Buch «The Piracy Crusade» beschreibt der Medienwissenschaftler Aram Sinnreich eine der frühen Episoden. In den Nullerjahren für die New Yorker Marktforschungsfirma Jupiter Research tätig, untersuchte er die Zahlungsbereitschaft von Nutzern der noch jungen Musikplattformen im Netz. Wer die damals verbreitete P2P-Software Napster nutzt, werde mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit auch mehr Geld für Musik ausgeben. So die damalige Studie der Firma, die zur Entwicklung von «Post-Napster»-Produktformaten anriet.

Für die Musikindustrie sei dieser Befund eigentlich eine gute Nachricht gewesen, meint Sinnreich. Doch deren Vertreter hätten nicht erfreut, sondern mit Empörung reagiert. Und Studien beauftragt, die das Gegenteil erweisen würden. Die Studie von Jupiter Research fiel – sicher kein Zufall – in die Hochzeit der gerichtlichen Auseinandersetzungen um Napster, aus denen die Musikindustrie mit einem Sieg hervorging, der ihr paradoxerweise noch lange zu schaffen machte. Napster verschwand, aber Filesharing-Systeme wurden avancierter, ein Teil wanderte ins Darknet ab und entzog sich der Kontrolle. Die Entwicklung neuer Angebote aber machte wenige Fortschritte ...

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