Schengen-Routing – Ein Ausreiseverbot für Daten

Auf dem zweiten Cyber Security Summit in Bonn (11.11.2013) sprach sich der scheidende Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom AG (DTAG) René Obermann angesichts des Ausmaßes fremd-staatlicher Überwachung des Internetverkehrs für die Einführung eines sogenannten “Schengen-Routings” aus und stieß damit eine kontroverse Diskussion in Politik und Industrie an.

Sinn und Zweck des Vorschlags ist es, dass Datenpakete bei Verbindungen innerhalb des “Schengen-Raums” (Grenzen innerhalb Europas, die Europäer gemäß des Schengener Abkommens ohne Visa und Grenzkontrollen übertreten können), nicht über Knotenpunkte anderer Länder geleitet werden sollen. Verbleiben die Datenpakete innerhalb dieser Grenzen, hätten die “Five Eyes” keinen Zugriff darauf.

Der Plan konnte im Prinzip auch im aktuellen Koalitionsvertrag (18. Legislaturperiode, 27.11.2013) Eingang finden: „Um Freiheit und Sicherheit im Internet zu schützen, stärken und gestalten wir die Internet-Infrastruktur Deutschlands und Europas als Vertrauensraum. Dazu begrüßen [wir] auch Angebote eines nationalen bzw. europäischen Routings.“

Die Begrenzung auf die Schengen-Mitgliedsländer statt auf die der EU – wie von der DTAG angestrebt – hat einen taktischen Hintergrund: Zu der “Five Eyes” Spionage-Allianz zählt auch Großbritannien, welches durch Ausnahmeklauseln kein Schengenstaat ist. Wie Edward Snowden dokumentierte, fängt auch der britische Geheimdienst GCHQ an einheimischen Knotenpunkten Internetdaten ab und macht diese der NSA zugänglich.

Technischer Hintergrund

Bei paketvermittelnden Rechnernetzen – wie dem Internet – werden längere Nachrichten in einzelne Datenpakete aufgeteilt, durchnummeriert und mit Absender- und Empfängeradresse versehen. Dann durchqueren sie als unabhängige und eigenständige Einheiten das Netz ...

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