“Sie können ja Beschwerde einlegen” – Eine dünne haftrichterliche Argumentation

Das war schon eine sonderbare Veranstaltung, die Haftprüfung, die ich am vergangenen Freitag an einem rheinischen Amtsgericht erlebt habe. Gemeinschaftlicher versuchter Totschlag wird meinem Mandaten vorgeworfen. Er soll vor ein paar Wochen gemeinsam mit mindestens drei anderen Personen einem Mann aufgelauert und diesen dann zusammengeschlagen und -getreten haben, wobei dieser mindestens zwei Schläge mit einem harten Gegenstand – möglicherweise eine Metallstange – auf den Kopf erhielt, die zu lebensgefährlichen Verletzungen führten. Inzwischen ist das Tatopfer außer Lebensgefahr. Es soll sich möglicherweise um einen Racheakt mit Personenverwechselung gehandelt haben.

Von meinem Mandanten weiß man, dass er in zeitlichem Umfeld der Tat mit anderen Tatverdächtigen telefoniert hat, dass sich sein Mobiltelefon in Tatortnähe in einen Funkmast eingeloggt hatte und dass seine DNA an einer Zigarettenkippe festgestellt wurde, die nur wenige Meter vom Tatort entfernt gefunden wurde. Ich habe in der Haftprüfung geltend gemacht, dass nach den vorliegenden Zeugenaussagen nicht sicher feststehe, wie groß die Tätergruppe tatsächlich war, ob das Opfer von 2, 3 oder 4 Personen attackiert wurde, wer die zwei lebensgefährlichen Schläge auf den Kopf geführt habe und ob mein Mandant, der nach eigenen Angaben und einer Zeugenaussage schwer betrunken war, sich überhaupt an der Schlägerei beteiligt hat. Niemand habe ihn erkannt. Es gebe auch keinerlei Erkenntnisse darüber, wer welche Tatausführung mit wem abgesprochen habe und ob es sich bei den Schlägen auf den Kopf nicht um einen Mittäterexzess gehandelt hat ...

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