100 Kamele für ein Menschenleben

Als der ehemalige Präsident des Zentralrats der Türken in Deutschland in diesem Frühjahr für ein Versöhnungstreffen die Räume eines libanesischen Vereins in Berlin-Neukölln betrat, hoffte er, mit der libanesischen Großfamilie Frieden zu schließen und sich nach arabischer Tradition die Hände zu reichen und dann Tee zu trinken. Doch daraus wurde nichts.

Häufig hat man etwas über eine „Parallelgesellschaft“ in Deutschland gelesen oder gehört, über die Ausmaße kann man jedoch erschrocken sein. Auslöser für den Streit zwischen den Familien war ein Unfall, der bereits mehr als vier Jahre zurücklag. Im Januar 2009 hatte der Sohn des Türken den 17-jährigen Libanesen Mohammed O. mit seinem Alfa Romeo angefahren und tödlich verletzt, als dieser bei Rot über die Ampel ging. Der Unfallfahrer wurde freigesprochen.

Ein Verkehrsunfall und seine Folgen: Was ist gerecht? // Foto: Lupo / pixelio.de

Parallelgesellschaften mitten in Deutschland

Doch die Zeit heilt offenbar nicht alle Wunden – eine Versöhnung blieb aus. Als der Mann die Räume des libanesischen Vereins betrat, warteten dort bereits 40 bis 50 Mitglieder der Familie O. und anderer arabischer Clans. Bei dem Treffen vermitteln sollte der Imam einer Berliner Moschee. Er legte fest, dass die Streitigkeit „nach der Scharia gelöst“ wird – der Sohn sei getötet worden und der Verantwortliche dafür noch ungestraft. Nach dem „Recht unserer Heimat“ sei er schuldig – egal, ob er fahrlässig oder vorsätzlich gehandelt habe ...

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