Haftung auch ohne Einverständnis des Tierhalters?

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat am 30.04.2013 ein durchaus diskussionswürdiges Urteil aus dem Bereich der Tierhalterhaftung getroffen, das besagt, dass es für eine Haftung des Pferdehalters grundsätzlich unerheblich ist, ob derjenige, der von einem Pferd stürzt, mit oder ohne Einverständnis des Halters geritten ist. Allerdings kann dieser Umstand bei einem etwaigen Mitverschulden mit berücksichtigt werden.

Der Fall: Die Klägerin hatte das Pferd ohne das Einverständnis der Eigentümerin und auch ohne das Einverständnis deren Vaters, der das Pferd in seinem Stall einstehen hatte und damit als Halter anzusehen ist, gesattelt und versucht, aufzusteigen. Dabei stürzte sie und zog sich eine Oberkieferfraktur und eine Schädelplatzwunde zu. Sie verklagte daraufhin den Tierhalter auf Schadenersatz.

Der Beklagte wandte ein, daß er zum einen keine Reit-Erlaubnis gegeben habe, und dass zum anderen die Klägerin die ihr entstandenen Schäden mitverschuldet habe: Denn sie trug keine Reitkappe, lehnte eine Aufstiegshilfe ab, hielt beim Aufsteigen eine Gerte in der Hand und hatte die Zügel nicht aufgenommen

Die Klage wurde in der ersten und zweiten Instanz abgewiesen mit der Begründung, dass die Klägerin nicht nachgewiesen habe, dass ihr das Pferd vom Halter zum Reiten überlassen worden sei.

Sandra Deller, Rechtsanwältin

Die Klägerin ging vor den BGH, der ihr in seinem Urteil dem Grunde nach Recht gab. Nach Ansicht des BGH ist das freiwillige Überlassen eines Pferdes keine Voraussetzung für den Anspruch aus der Tierhalterhaftung ...Zum vollständigen Artikel


Cookies helfen bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Cookie-Setzung einverstanden. Mehr OK