Justiz und Ressentiment

“Das zu fressende Lebewesen muss böse sein” – diese Sentenz von Adorno als Charakteristikum der bürgerlichen Kultur passt zu einem Dossier in der jüngsten Ausgabe der Zeit. Nur böse Menschen dürfen böse behandelt werden – im zuweilen primärprozesshaften Denken der Justiz heißt das – wer von der Justiz böse behandelt wird, der ist auch böse. Im konkreten Fall ging es um eine Familie, die offenbar nicht funktionierte und einen Vater, der von seiner 13jährigen Tochter fälschlicherweise des sexuellen Missbrauchs bezichtigt worden war. Das Thema war ja in den 90er Jahren – die Anschuldigung wurde 1994 vorgebracht – virulent; der Kriminologe spricht hier gerne von “moral panic”. Mit einer solchen Anschuldigung landete man praktisch in einem rechtsfreien Raum, die Verurteilung war vorprogrammiert. Zwei Gutachterinnen sahen keinen Anlass, die Aussage des Mädchens zu bezweifeln. Der Mann wanderte für 7 Jahre hinter Gitter – und wurde dort auch der üblichen “Behandlung” als vermeintlicher “Kinderficker” durch seine hochmoralischen Mitgefangenen unterzogen. Rechtliche Schritte blieben erfolglos – die Justiz irrt sich nie ...

Zum vollständigen Artikel

Cookies helfen bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Cookie-Setzung einverstanden. Mehr OK