Was passiert nun mit dem Kunstschatz?

Der Münchener Fall um den historisch befleckten und bislang verborgenen Kunstschatz in einer Schwabinger Wohnung bietet nicht nur Stoff für ein Drehbuch. Er ist auch juristisch höchst spannend.

Obwohl – abgesehen von den wenigen bei der Pressekonferenz am Dienstag gezeigten Werken – immer noch nicht bekannt ist, was sich in dem Konvolut im Einzelnen befindet und woher die Kunst in dem Konvolut im Einzelnen kommt, stellen sich schon jetzt rechtliche Fragen:

Haben die Erben der ehemaligen Eigentümer der Werke Ansprüche gegen Gurlitt und sind diese auch durchsetzbar? Was ist mit den staatlichen Museen, aus denen damals die Nazis die Kunstschätze als „entartet“ beschlagnahmten?

Diese Fragen sind ohne genauere Kenntnis der Erwerbsgeschichte der jeweiligen Werke nicht endgültig zu beantworten und müssen sehr differenziert betrachtet werden. Denn von einer generellen Nichtigkeit aller Hoheitsakte oder Erwerbsakte an Kunst zwischen 1933 und 1945 kann nicht ausgegangen werden. Was mit der Kunst passieren wird, ist danach derzeit noch offen und rechtlich abhängig davon, auf welchem Weg die Werke zu Gurlitt gelangten.

Dabei sind in der Praxis nicht nur Schwarz-Weiß-Lösungen, sondern durchaus differenzierte Lösungen denkbar: Viele Fälle um Kulturgut, das zwischen 1933 und 1945 den Eigentümern entzogen wurde oder unter Zwang verkauft werden musste, enden letztlich mit einer einvernehmlichen Lösung.

Nachfolgend sollen die wesentlichen Fallgruppen grob dargestellt werden:

„Entartete Kunst“

Nach jetzigem Informationsstand handelt es sich bei einigen Werken um sog. „entartete Kunst“, die Gegenstand des „Nazi Bildersturms“ von 1937/1938 war. Die barbarische Plünderung von Museen zum Zwecke der Entnahme „entarteter Kunst“, erfolgte auf der Grundlage des „Gesetzes über die Einziehung von Erzeugnissen entarteter Kunst“ vom 31. Mai 1938. Dieses Gesetz wurde nach dem Krieg nicht aufgehoben ...

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