NSU: Der Besuch bei der alten Dame

Brandruine Zwickau Frühlingstraße

Seit mehreren Wochen wird im „NSU-Prozess“ diskutiert, wie mit der Vernehmung der hochbetagten ehemaligen Nachbarin von Beate Zschäpe in der Zwickauer Frühlingsstraße umgegangen werden soll. Die Verteidigung von Beate Zschäpe möchte die 91jährige Charlotte E. zu dem Tag befragen, an dem das Mehrfamilienhaus niederbrannte. Konkret geht es darum, ob es bei ihr geklingelt hat, kurz nachdem der Brand im Haus ausgebrochen ist. Ein solches Klingeln könnte für die Frage erheblich sein, ob Beate Zschäpe die Seniorin vor dem Brand warnen wollte. Allerdings haben wohl auch Angehörige von Charlotte E., die auf der gegenüberliegenden Straßenseite wohnen, bei ihrer Tante geklingelt, um sie zu warnen – so haben sie es bereits vor Gericht ausgesagt.

Problematisch ist eine Vernehmung der alten Damen aber aufgrund ihres Gesundheitszustandes: Aus ärztlichen Attesten und Berichten ihrer Angehörigen vor Gericht ergibt sich, dass Frau E. neben altersbedingten Einschränkungen noch immer erheblich unter den Folgen des Brandes leidet. Sie musste ihre Wohnung verlassen, lebte zunächst bei Familienmitgliedern und nun in einem Pflegeheim. Sie ist herzkrank und musste operiert werden, von den Folgen der OP habe sie sich nur mäßig erholt, sagen die Angehörigen. Hinzu komme eine beginnende Altersdemenz. Charlotte E. kam vor einigen Wochen in ein Pflegeheim, unter anderem, weil sie das Essen vergessen habe. Ihre Hausärztin kam zu dem Ergebnis, sie könne nicht nach München reisen. Dies akzeptieren alle Beteiligten. Ob die Dame aber trotzdem gehört werden soll und in welcher Form, darüber gehen die Meinungen sehr auseinander. Einige Nebenkläger halten die Vernehmung insgesamt für entbehrlich und legen der Zschäpe-Verteidigung nahe, aus „Rücksicht“ auf die Befragung von Charlotte E. zu verzichten ...

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