Haftung wegen Geburtsschadens nach Organisationsfehler der Klinik: OLG Zwbrckn 27-03-12

Der Fall:

Eine Frau wurde in einem Kreiskrankenhaus durch Notkaiserschnitt (Notsectio) entbunden. Dieser Kaiserschnitt verzögerte sich durch verschiedene organisatorische Probleme. Das Krankenhaus war grundsätzlich nicht auf die Versorgung geburtshilflicher Notfälle eingestellt. Insbesondere gab es keinen dauerhaft anwesenden Bereitschafts-Anästhesienotdienst, im Notfall musste ein Anästhesist aus einem nahegelegenen Krankenhaus anfahren, was eine Zeitverzögerung von 20-40 Minuten bedeutete. Es gab auch keinen gynäkologischen ärztlichen Bereitschaftsdienst.

Seit der Geburt leidet das Kind unter einer schweren perinatale Asphyxie, die zu Bewegungsstörungen, Behinderungen in der Sprachentwicklung und zu Hüftgelenksfehlstellungen führte.

Die Entscheidung:

Für diese Geburtsschäden stehen dem inzwischen zwölf Jahre alten Mädchen Schmerzensgeld und Schadensersatz zu, entschied jetzt das OLG Zweibrücken. Da es bei jeder Geburt zu erheblichen Komplikationen kommen kann, muss die Klinik einen entsprechenden Notfalldienst besitzen.

Aus den Gründen:

1. Nach dem Ergebnis der in zweiter Instanz durchgeführten Beweisaufnahme sind die gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Klägerin auf grobe Behandlungsfehler des Beklagten zu 1) und grobe Organisationsmängel des Beklagten zu 3) zurückzuführen.

Die Geburt der Klägerin im Wege eines Notfallkaiserschnitts (nachfolgend: Notsectio) ist wegen mangelhafter Organisation der Notsectio und Nichtvorhaltens eines anästhesieärztlichen Bereitschaftsdiensts in der damaligen geburtshilflichen Abteilung des Kreiskrankenhauses A... nach Feststellung eines Nabelschnurvorfalls am ... gegen 23:20 Uhr nicht innerhalb einer E-E-Zeit (Zeit zwischen Entschluss zur Notsectio und der Entwicklung des Kindes) von höchstens 20 Minuten durchgeführt worden, sondern dauerte vielmehr mindestens 37 Minuten ...

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