Raubtierverlage [Predatory Publishers]

BRENDAN MONROE in Nature Vol. 495 (2013), S. 433.

Open Access könnte die ideale Lösung für die faire Distribution von Wissen sein, wären da nicht die sogenannten Raubtierverlage. Raubtierverlage sind Verlage, die Autoren und Lesern mit unredlichen Mitteln Professionalität und Reputation vortäuschen. Im Zuge der open access Bewegung haben sich die Methoden der Raubtierverlage zu einem florierenden Geschäft entwickelt.

Dieses Geschäftsmodell kann nur deshalb funktionieren, weil der Markt für wissenschaftliche Fachpublikationen durch eine paradoxe Situation gekennzeichnet ist: die Nachfrage danach zu veröffentlichen ist größer, als die Nachfrage nach Veröffentlichungen. Dem Angebot an akademischen Zeitschriftenaufsätzen steht eine viel geringere Nachfrage gegenüber. Auf jeden Aufsatz, der mindestens einmal zitiert wird, kommen neun, die niemals zitiert werden. Die Hälfte aller publizierten Fachartikel wird vermutlich niemals wieder gelesen, nachdem sie durch das Begutachtungsverfahren gegangen sind (Lokman 2007: 32).

Das alleine ist noch nicht paradox, denn es gehört zur Rationalität der Wissenschaft, Erkenntnisse flächendeckend zu generieren; also auch die Ecken auszuleuchten, in denen es gar nichts zu entdecken gibt. Einen Aufsatz zu veröffentlichen, den niemand zur Kenntnis nimmt, mag zwar für den Autoren frustrierend sein; er trägt damit aber trotzdem zum wissenschaftlichen Fortschritt bei, so minimal und „unbedeutend“ dieser Fortschritt auch sein mag. Natürlich bemisst sich der Wert einer wissenschaftlichen Arbeit nicht alleine daran, wie häufig sie zitiert wird; ein Beitrag mag hohe Relevanz haben für Berufszweige und gesellschaftliche Bereiche, in denen viel getan, aber wenig zitiert wird. Trotzdem kann man davon ausgehen, dass ein guter Teil der veröffentlichten wissenschaftlichen Beiträge bedeutungslos ist.

Paradox erscheint der Markt für wissenschaftliche Publikationen ...

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