Die Echtheit eines Gemäldes

Ein Kunstwerk eines bestimmten Malers ist nicht deshalb mangelhaft, weil der Experte und Verfasser des Werkverzeichnisses das Bild nicht als echt anerkennt. Vielmehr muss eine solche Beschaffenheit des Kunstwerks von den Parteien bei Vertragsschluss vereinbart worden sein.

Mit dieser Begründung hat das Oberlandesgericht Karlsruhe in dem hier vorliegenden Fall der Berufung eines Gemäldeverkäufers stattgegeben, der ein nicht signiertes Gemälde nach dem zuvor ergangenen Urteil des Landgerichts Mannheim Zug um Zug gegen 26.000 Euro zurücknehmen sollte. Die Parteien streiten um die Echtheit eines Gemäldes – Strandlandschaft mit Fischerbooten und Fischern -, das von Eugène Boudin stammen soll. Der beklagte Verkäufer hatte das Bild im Jahr 2008 in einem Auktionshaus zum Preis von 5.500 Euro erworben, er hatte es im Internet als “Ölgemälde Eugène Boudin mit Fotoexpertise” angeboten. Zu einem Kaufpreis von 26.000 Euro erwarb der Käufer das Bild vom Beklagten, nachdem er es besichtigt hatte und die Expertise, ein handgeschriebenes Schriftstück eines ehemaligen Museumsdirektors gelesen hatte, die besagte, er habe das Bild im Original untersucht, es sei eine Arbeit von Eugène Boudin. Im Sommer 2009 erklärte der Käufer den Rücktritt vom Kaufvertrag, hilfsweise dessen Anfechtung wegen arglistiger Täuschung, weil das Gemälde keine Arbeit von Eugène Boudin sei, denn es sei, dies ist unstreitig, nicht im Werkverzeichnis des französischen Experten für diesen Maler aufgeführt. Das Kunstwerk sei mangelhaft, da der einzige anerkannte Experte das Bild als nicht von Eugène Boudin stammend einstufe, und es deshalb nicht als Arbeit dieses Malers verkäuflich sei. Im Falle der Echtheit des Gemäldes wäre dieses mindestens 120.000 Euro wert gewesen, unter Abzug der Verkäuferprovision sowie der Versicherung verlange er daher Schadensersatz in Höhe von 106.200 Euro ...

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