Zuverlässigkeit eines Fingerabdrucks als Beweismittel

Bislang schien klar: Der Fingerabdruck am Tatort überführt einen Täter zweifelsfrei. Allerdings sind Fingerabdrücke möglicherweise nicht so einmalig, wie uns Wissenschaftler lange glauben ließen – zumindest enthüllen aktuelle Studien ein erhebliches Fehlerpotential.

Die Daktyloskopie – die Auswertung der Papillarlinienbilder zur Identifizierung von Personen – gehört seit etwa einhundert Jahren zu den kriminaltechnischen Ermittlungsmethoden. Dabei werden folgende verschiedene Merkmale des Fingerabdrucks unterschieden:

Grundmuster grobe Merkmale: Schleifen, Bögen, Windungen feinere Merkmale: Minutien Porenstruktur

Im Wesentlichen beruht Daktyloskopie auf drei Grundannahmen:

die Papillarleisten der Finger sind individuell und nicht vererbbar sie sind von ihrer Ausbildung im Embryonalstadium an relativ unveränderlich sie sind nach bestimmten Prinzipien klassifizierbar und damit registrierbar.

Da sich die feinen Strukturen als Ergebnis eines zufälligen Prozessess im Wachstum der Finger herausbilden, haben selbst eineiige Zwillinge unterschiedliche Fingerabdrücke.

Sind Fingerabdrücke nicht so einmalig wie gedacht? // Foto: ZDF/Jeremiah Crowell; Providence Pictures Production

Das eigentliche Problem beginnt aber damit, dass die Daktyloskopie im frühen 20. Jahrhundert von der Kriminaltechnik „monopolisiert“ wurde, so dass – bis heute – die Identifizierung mittels eines Fingerabdrucks nie streng nach wissenschaftlichen Maßstäben auf ihre Fehleranfälligkeit untersucht wurde.1 Diese Technik konnte sich trotzdem als feste Größe unter den forensischen Verfahren etablieren, obwohl sich diese im Wesentlichen auf das nie bewiesene Postulat stützt, dass zwei verschiedene Personen keine identischen Fingerabdrücke haben können ...

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