„Sie hatten um exakte Angaben gebeten“, sagte der Waffenverkäufer

Die Tatwaffe Ceska (Archiv)

Es war die bislang kurzweiligste Zeugenbefragung im NSU-Prozess: Der frühere Waffenhändler Franz Schläfli („Schläfli & Zbinden“) berichtete über den Verkauf der Tatwaffe Ceska 83. Wer allerding beim Stichwort früherer Schweizer Waffenhändler an einen geruhsamen Herrn in zweireihigen Blazer (dunkelblau mit Goldknöpfen) und breiter Krawatte dachte, erlebte eine Überraschung: Es erschien ein Mann Mitte vierzig in Jeans, schwarzen Turnschuhen (die mit den drei Streifen) und weißem Hemd, der die ganze Vernehmung über einen dunklen Kurzmantel anbehielt und mit seiner kurzrasierten Frisur samt gestyltem schwarzen Vollbart eher nach Partyveranstalter oder Drogenfahnder aussah.

Zum Ex-Waffenhändler wurde er, weil er 2005 sein Geschäft aufgab – nachdem die gesetzlichen Bestimmungen für Waffenverkäufe in der Schweiz verschärft worden waren. Aktuell sei er im „Transport- und Entsorgungsgewerbe“ tätig, sagte er zu Beginn der Befragung.

Schläfli und sein Kompagnon hatte die Waffe im April 1996 vom Großhändler „Luxik“ bekommen und kurz darauf per Post an einen Schweizer Kunden weiterverkauft. Beides seien ganz normale Geschäfte gewesen, betonte der Schweizer mehrfach: „Nicht unter dem Ladentisch oder im Dunkeln der Tiefgarage“. Der Kunde Anton G. (der der Ladung des Gerichts nicht folgte) habe ordnungsgemäß eine Erwerbsberechtigung der Kantonsbehörde sowie eine Ausweiskopie übersandt, daraufhin habe er die Waffe – wohl mit Schalldämpfer erhalten. „Also, es muss eine dieser Waffen gewesen sein, die wir als Set verkauft haben“, schloss Schläfli, nachdem er sich vor Gericht noch einmal die entsprechenden Unterlagen seines damaligen Waffenregisters angesehen hatte.

Über Anton G. ging die Waffe nach 1996 über mehrere, von der Bundesanwaltschaft noch nicht vollständig geklärten Stationen letztlich zu Carsten S., Ralf Wohlleben und dem Trio ...

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