Nicht mal was gemerkt

Auf den ersten Blick klang das Angebot verlockend. “Nehmen Sie doch lieber eine Bewährungsstrafe”, warb die Richterin. “Nach drei Jahren wird die Strafe erlassen, und sie haben noch nicht mal was gemerkt.”

Ich kann ja verstehen, dass die Richterin meinen Mandanten nicht mit einer Geldstrafe davonkommen lassen wollte. Das Delikt, welches im zur Last gelegt wurde, kann man halt so und so bewerten. Spielraum war vorhanden; nach oben und unten.

Eine Gefängnisstrafe auf Bewährung aber geradezu als Entgegenkommen anzupreisen, ist schon bemerkenswert. Zumal, wenn neben dem Angeklagten ein Strafverteidiger sitzt, der es besser wissen sollte.

Ich tue es zumindest. Deshalb rate ich jedem Mandanten: Kämpfe auf jeden Fall für eine Geldstrafe, falls diese im Bereich des Möglichen ist. Denn Bewährung klingt zwar erst mal harmlos. Aber sie ist es nur dann, wenn sich der Angeklagte tatsächlich sicher sein kann, dass er sich keinen strafrechtlichen Ärger mehr einhandelt.

Aber wer kann das schon? Ein Beispiel. Der Mandant akzeptierte gegen meinen Rat sieben Monate auf Bewährung. Es ging um kleinere Betrügereien. Er versprach zwar, künftig brav zu sein und nicht mehr Geld auszugeben, als er in seiner bürgerlichen Existenz verdient. Daran hielt er sich sogar ...

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