Die Reid-Methode: unzulässig, aber effektiv

Hauptzweck der polizeilichen Vernehmungstätigkeit ist eine Gewinnung von Informationen des Beschuldigten1, um ihn der verdächtigten Straftat – mit einem Geständnis – zu überführen. Die Methodik der Vernehmung hat dabei erheblichen Einfluss darauf, ob der Wahrheitsgehalt einer Aussage beurteilt werden kann2 und ob es überhaupt gelingt, ein Geständnis zu erlangen.

Eine zentrale Rolle spielt dabei die „Reid-Methode“, die etwa seit dem Jahr 2000 in Deutschland erprobt wurde. Udo Nagel hatte die Methode damals, anfangs als Kriminaldirektor in München, später als Polizeipräsident in Hamburg nach Deutschland geholt.3 Mittlerweile wurden mehrere (wenn nicht sogar alle) deutschen Strafverfolgungsbehörden in dieser Methode geschult. Dafür wurden Experten aus den USA eingeflogen4, denn die Technik ist markenrechtlich geschützt.

Geschulte Polizeibeamte variieren von nettem Smalltalk zu knallhartem Verhör – Foto: Patricia Schenk / Photocase.de

Erfinder und Namensgeber der Reid-Methode

Entwickelt wurde die Methode bereits im Jahr 1948 von John E. Reid, einem Polizeibeamten aus Chicago. Er hatte (aus einem Bauchgefühl heraus) eine Technik entwickelt, mit der er in seinen Verhören selbst die „härtesten Hunde“ knackte. Dabei mischte er harmlose mit provozierenden Fragen – und beobachtete die körperlichen Reaktionen des Verdächtigen. Die Kollegen nannten ihn ehrfürchtig den „menschlichen Lügendetektor“. Heute gehört die Reid-Methode u.a. zu den Standard-Verhörtechniken beim FBI und anderen Regierungsorganisationen.

Die Technik, die heute in Deutschland angewendet wird, ist an die Reid-Methode angelehnt und wird harmlos als „Verhaltens-Analyse-Interview“ bezeichnet. Dieses beginnt ganz unverfänglich mit einer Art Smalltalk, der aber auf einem stets gleichen Fragekatalog mit ca. 20 Fragen basiert, der dazu dient, das gewöhnliche Sprach- sowie Verhaltensmuster des Befragten zu analysieren ...

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    abendblatt.de - 8 Leser - Hamburgs Polizisten sollen bei Verhören künftig Psycho-Tricks anwenden dürfen, um an Geständnisse von Verdächtigen zu kommen. Polizeipräsident Udo Nagel plant, die in den USA gebräuchliche "Reid-Verhörmethode", bei der Verdächtigen angebliche Beweise vorgehalten werden, unter Ermittlern schulen zu lassen. In Bayern, Nagels früherer Wirkungsstätt...

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