Der untaugliche Versuch der Strafverteidigung

Mein späterer Mandant war wegen Betruges angeklagt worden. Der deutschen Sprache war er nur sehr eingeschränkt mächtig. In erster Instanz hatte sein Verteidiger gleichwohl nicht dafür Sorge getragen, daß ein Dolmetscher hinzugezogen wurde. Der Richter konnte die sprachlichen Schwierigkeiten erst bei Beginn der Hauptverhandlung feststellen und soll dann mitgeteilt haben, daß man es ohne Dolmetscher versuchen wolle. Der Verteidiger stimmte diesem Vorgehen zu und auch mein späterer Mandant widersprach nicht, ging er doch davon aus, daß sein Verteidiger dem Gericht die wesentlichen Gesichtspunkte vermitteln und sich der Tatverdacht in Wohlgefallen auflösen werde.

Den Tatvorwurf hatte der Mandant dabei zwar halbwegs verstanden, diesen rechtlich indes unzutreffend gewürdigt, so daß seine Verteidigung an der falschen Stelle ansetzte. Aus welchem Grund sein Verteidiger ebenfalls an der falschen Stelle ansetzte, obgleich sich verschiedene Einwände gegen den Vorwurf ergaben, blieb rätselhaft. Vielleicht hatte auch er ohne Dolmetscher Schwierigkeiten, den Mandanten zu verstehen…

Um es kurz zu machen: In erster Instanz erfolgte eine Verurteilung. Entlastende Beweismittel, die meinem späteren Mandanten zur Verfügung gestanden hatten, wurden dem Gericht nicht benannt und daher gar nicht erst herangezogen. Der Mandant wiederum hatte den Kern des Tatvorwurfs nicht verstanden und die Bedeutung dieser entlastenden Beweismittel verkannt ...

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