“I am positive (+)”

Das Recht am eigenen Bild erfordert für eine zulässige Veröffentlichung grundsätzlich immer die Einwilligung des Abgebildeten. Über die Voraussetzungen dieses besonderen Persönlichkeitsrechts haben wir bereits ausführlich anhand verschiedener Beispiele berichtet.

In einem von unserer Kanzlei betreuten Fall entdeckte eine Mandantin beispielsweise ihr Konterfei überraschend auf einem Bekleidungsstück einer großen Modekette. Eine noch größere und vor allem weitaus problematischere Entdeckung machte jüngst die Amerikanerin Avril Nolan. Ihr Foto wurde von der Menschenrechtsagentur des Bundesstaates New York für eine Aufklärungskampagne genutzt, die sich gegen die Diskriminierung HIV-positiver Menschen richtete. Auf dem Foto mit dem Bildnis der jungen Frau steht “I AM POSITIVE (+)” und “I HAVE RIGHTS”.

Das Problem an dieser Verwendung des Fotos war nicht, dass es niemals eine Einwilligung in die Veröffentlichung des Fotos gegeben hat. Eine Einwilligung zur Veröffentlichung ihres Fotos hatte Avril Nolan vor Jahren erteilt, jedoch für einen gänzlich unterschiedlichen Verwendungszweck, nämlich für Modeaufnahmen. Eine Einwilligung für das jüngst veröffentlichte Foto, welches dem Betrachter suggeriert, dass die abgebildete Avril Nolan HIV-positiv ist, was tatsächlich nicht der Fall ist, und für Ihre Rechte und gegen eine Diskriminierung einsteht, hat sie nicht erteilt.

Die damalige Fotografin verkaufte das Foto an die große Bildagentur Getty Images und räumte aktuell in der amerikanischen Presse ein, dass sie den diesbezüglichen Vertrag, den sie mit der Bildagentur geschlossen hat, bereits nicht verstanden habe. Unterstellt man, dass die Angaben von Avril Nolan richtig sind, dann hatte die Fotografin zuvor bereits nicht verstanden, dass sie das Bild nicht an Dritte weitergeben darf, bzw. die entsprechenden Nutzungsrechte Dritten gegenüber einräumen darf ...

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