Abgesandelt

Sigmund Freud hat neben unseren Träumen auch unser Sprachverhalten erforscht. Sein „Freud’scher Versprecher“ bezieht sich weniger auf ein Versprechen als auf eine Botschaft, die in uns steckt, die wir aber eigentlich gar nicht herauslassen wollen. Eine Art verborgener Wahrheit. In Tirol, das ja nicht gerade bekannt ist für guten Wein, dürfte man dem Wirtschaftskammerpräsidenten Leitl irgendetwas in den Kelch geschüttet haben, das seine oberösterreichische Zunge zum Wort „abgesandelt“ führte. Österreich als Wirtschaftsstandort sei „abgesandelt“. Vor unserem geistigen Auge tauchten Fabrikhallen mit kaputten Maschinen, gähnend leere Supermärkte und Manager auf, die in der Kärntnerstraße um eine milde Gabe für ein warmes Mittagessen betteln. Ablenkmanöver Spätestens nach Ausschlafen des Katers vom Tiroler Wein und spätestens nach dem Proteststurm gegen seine Wortwahl hätte der gute Mann in sich gehen und Buße tun können. Was aber nicht geschah. Selbst beim hektischen Zurückrudern klopfte Leitl derart wild auf die Sozialisten hin, dass man glauben musste, der Kreml stehe in Wirklichkeit am Ballhausplatz. Bis heute ist nicht bekannt, dass Leitl seine kritische Stimme gegen jene Kreise in seiner Partei erhebt, die die Absandelung Österreichs mit Konsequenz vorantreiben. Schwarze Bildungszukunft Wenn in diesem Land jemand abgesandelt ist, dann die von den Schwarzen unterjochte Lehrergewerkschaft und die Bildungsideologen der ÖVP. Das Weltverständnis dieser beiden Gruppen stammt aus den Fünfzigerjahren des vorigen Jahrhunderts: Nachdem die Mutter (analog der TV-Serie „Mutter ist die Allerbeste“) liebevoll sämtliche Zimmer gesaugt und ein leckeres Mittagessen bereitet hat erwartet sie strahlend ihren Mann und ihre Kinder. Nach dem gemeinsamen Mittagsmahl wäscht sie rasch das Geschirr, um am Küchentisch mit den drei Kindern die Hausaufgaben zu machen. Anschließend singen sie gemeinsam noch ein paar andalusische, bretonische und plattdeutsche Lieder ...Zum vollständigen Artikel

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