‘Jeder nur ein Stück Obst’ – einige Gedanken über die Kultur der Selbstausbeutung

Dieses Bild stammt nicht aus der Einrichtung um die es in diesem Artikel geht.

Dieser Artikel ist eine Deutsche Version des bereits erschienen Artikel ‘You’re our last hope – Some thoughts on the culture of self-exploiation’ Wie ich dazu kam ausgebeutet zu werden

Nachdem ich 2011 meinen Master in Kriminologie abschloss, machte ich die (nicht unerwartete) Entdeckung, dass ‘Kriminologin’ kein Beruf ist und es daher keine kriminologischen Stellen gibt. Ich fand außerdem heraus, dass es zwar viel Arbeit ist, sich um einen Promotionsplatz zu bewerben, aber nicht die Art von Arbeit die bezahlt wird.

Also suchte ich einen Job in der ‘echten Welt’. Ich fand schnell eine Stelle als Nachtbereitschaft in einer Wohngruppe für Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen. Mein Arbeitstag fing um 21.30 an. Um 10 oder 11 ging ich schlafen und um 5.15 ging es weiter mit einem Frühdienst bis 8.30. Ich weckte die BewohnerInnen, duschte sie, hob sie in und aus ihren Rollstühlen und bereitete sie auf den Tag vor. Es war harte Arbeit, die noch härter wurde, wenn ich nicht genug geschlafen hatte.

Ich arbeite mit Menschen mit geistiger Behinderung, weil es eine der erfüllendsten Tätigkeiten is,t die ich mir vorstellen kann. Ich bezweifle, dass es eine andere Tätigkeit mit besserer Zeit/Umarmungen – Quote gibt, und es ist schön, wenn jemand vor Begeisterung kreischt, wenn er dich sieht. Ich wählte diesen Arbeitsbereich außerdem weil ich etwas machen wollte, was komplett anderes war als in mein ‘akademisches Leben’. Dieser Plan ging nicht ganz auf.

In meinem ‘akademischen Leben’ beschäftige ich mich mit der Verbindung von Neoliberalismus und Moralität. Um genau zu sein untersuche ich, woran Menschen glauben, die von sozialer Ungleichheit profitieren. Wenn man Marx folgt, beruhen kapitalistische Systeme grundsätzlich auf Ausbeutung. Ausbeutung entsteht, wenn jemand (z.B ...

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