Glas-Klare Notwehr?

Das Amtsgericht Erfurt jedenfalls beurteilte es als Fall von gerechtfertigter Notwehr, dass eine Studentin einem Raucher ein Glas an den Kopf geworfen hatte. Zuvor hatte sie den Mann mehrfach auf das Rauchverbot in einer Erfurter Diskothek hingewiesen. Als sie kurz darauf auf die Tanzfläche ging, habe sich der Mann erneut eine Zigarette angezündet, sei aggressiv auf sie zugekommen, habe ihr den Rauch direkt ins Gesicht geblasen und provozierend gefragt, was sie denn nun machen wolle. Da warf sie ihm ein Glas an den Kopf, das eine Beule hinterliess. Auf die Anzeige des Mannes wegen dieser von ihm als gefährlicher Körperverletzung geltende gemachten Verletzung bestätigte er vor Gericht zwar zunächst die Angaben der Frau. Er habe auch gewusst, dass Rauchverbot herrschte. Ihre Reaktion sei dennoch völlig überzogen gewesen. Überzogen, bzw einen Notwehrexzess sah das Gericht aber offenkundig nicht darin. Der Staatsanwalt beantragte einen Freispruch. Seiner Auffassung nach sei das Anblasen mit dem Rauch eine herabwürdigende Handlung und Beleidigung, die Notwehr rechtfertigte. Der Strafrichter sah sogar im Verhalten des Rauchers selbst eine Körperverletzung: Der Mann sei nah an die Frau herangetreten und habe ihr den Rauch “vermischt mit Speichelpartikeln” direkt ins Gesicht geblasen. Die Schleimhäute der Studentin seien dadurch gereizt worden. Auch sei anders als noch in einem Urteil von 1977 inzwischen die Gesundheitsgefahr durch passives Rauchen erwiesen ...

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