Verfassungskult per Infografik

Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte. So lautet eine alte, bis zur Abgedroschenheit wiederholte Zeitungsmacherweisheit. Misstrauisch sollte einen dabei schon die Tatsache stimmen, dass einem so leicht kein Bild einfällt, das diese Weisheit besser transportieren könnte als diese sieben Worte, aber gut: es ist schon etwas dran. Wer jemals eine Straßenkarte benutzt hat, weiß deren Überlegenheit gegenüber jeder noch so präzisen Wegbeschreibung zu schätzen.

Das Buch „Die Verfassung verstehen“, aus der Diplomarbeit eines jungen Grafikdesigners entstanden und von einem kleinen Typografie-Fachverlag mit viel Enthusiasmus und handwerklichem Können herausgebracht, unternimmt den Versuch, diese Weisheit auf die Welt der Verfassungsdidaktik zu übertragen. In 17 teils sehr elaborierten Infografiken erhebt Autor Mike Hofmaier laut Vorwort den (wiederum bildlich formulierten) Anspruch, zwischen der „abstrakten Gesetzessprache“ des Grundgesetzes und dem fachlich nicht vorgebildeten Leser eine „Brücke“ zu bauen.

Infografiken haben zumeist dort ihren Platz, wo es um Quantitatives geht – um Größen- und Mengenverhältnisse, um Zahlen. Hier liegt auch die Stärke dieses Buches: Dass etwa das Grundgesetz fast drei mal so viele Wörter umfasst wie der Verfassung der USA und mehr als vier mal so viele wie die Japans, das ist auch dem Kenner der Materie nicht unbedingt geläufig, und wenn doch, so vermittelt Hofmaiers elegant gestaltetes Balkendiagramm diese Erkenntnis auf stärkere und eindrücklichere Weise als in verbalisierter Form.

Das Gleiche gilt für die Visualisierung der Änderungsgeschichte des Grundgesetzes. Ein schlichtes schwarz-rotes Tortendiagramm zeigt, dass vom ursprünglichen Verfassungswortlaut von 1949 gar nicht mehr so viel übrig ist: Mehr als die Hälfte des Textes ist jüngeren Datums ...

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