Konfliktverteidigung

Ein Unwort hat in den letzten Jahren mehr und mehr Eingang in die Justizsprache gefunden1 – die Bezeichnung eines Strafverteidigers als „Konfliktverteidiger“. Die Konnotation, die mit dem Ausdruck mitschwingt, ist gleichwohl keine positive. Schon in der praktischen Justizausbildung werden Referendare von Richtern oder Staatsanwälten beiseite genommen und gewarnt, dass der Anwalt in der nächstfolgenden Verhandlung ein „Konfliktverteidiger“ ist. Manchmal ist man dann erstaunt, welche harmlosen Zeitgenossen dort als konfliktträchtig beschrieben werden.

Maßgeblichen Anteil an der Entwicklung des Begriffs „Konfliktverteidigung“ zum Schimpfwort haben allen voran die Verfechter der Ansicht, Aufgabe des Verteidigers sei der Versuch, Gericht und Staatsanwaltschaft zu umarmen und die Urteilsabsprache als dessen eigentliche Domäne begreifen (vgl. Hassemer, StV 1982, 377, 382).

Diese Gattung von Rechtsanwälten werden allzu gerne von den Gerichten als Pflichtverteidiger beigeordnet, fallen in der Hauptverhandlung nicht weiter auf, stellen selten Anträge und haben eigentlich auch keine Fragen. Sie setzen auf eine positive Atmosphäre im Gerichtssal, nehmen fehlerhafte Anordnungen des Vorsitzenden widerspruchslos hin2 und hoffen bis zuletzt, ihrem Mandaten werde schon irgendwie eine (gerechte) Bestrafung zuteil. Die Hoffnung stirbt freilich zuletzt – aus Anwälten werden reine Verurteilungsbegleiter.

Die entgegengesetzte Gattung sind „Krawallverteidiger“. Diese fallen in erster Linie durch eine unflätige Art und ihr lautes Stimmorgan auf und meinen, es wäre vorteilhaft für ihre Mandanten wenn sie das Gericht anfeinden, Zeugenvernehmungen mit wenig qualifizierten und unzulässig provozierenden Fragen sinnlos anschärfen, um einen Zeugen „in die Ecke“ zu drängen ...

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